Sand, Fritten und ganz viel Sport

In Zonhoven/Flandern beginnt für den Cycling Club fast schon traditionell das neue Jahr. Seit nun vier Jahren pilgern wir jährlich zum UCI Cyclocrossweltcup in die kleine belgische Stadt, 26km westlich von Maastricht. Zwei Bullis wurden gemietet, Abfahrt war um 9:30 im schönen Café Goldsheim, auf gehts. Das Wetter hatte sich komplett geändert. Während Puck Pieterse tags zuvor bei ihrem Track-Check (zu sehen auf ihrem YouTube Kanal) im dichten Schneetreiben auf die Strecke ging, empfing uns der belgische Himmel in strahlendem Blau und trockenen -1°C.

Die Strecke
Wie beschreibt man nun die Strecke für Jemanden, der noch nie in Zonhoven war? Es ist ein abgesperrter ca. 2,5 km langer Kurs mit mehreren Abschnitten. Der Start/Zielgerade (auf Teer) folgt eine ansteigende Grasfläche samt Wechselzone, die bei Feuchtigkeit sehr matschig sein kann.

de Kuil Zonhoven

de Kuil, Zonhoven. Eine Arena mit 15 Tsd Zuschauern welche die FahrerInnen mehrmals durchfahren müssen

Nach ein paar Passagen geht es in die berühmte Kuil, eine riesige Sandkuhle welche wie ein Trichter im Kiefernwald liegt. Diese Sandkuhle wird zweimal ein- und ausgefahren. Die Zuschauer bevölkern den Innenraum sowie die Seiten, bei Bier und Fritten, und haben überall eine perfekte Sicht aufs Geschehen. Nach der Kuil gehts durch Zubringerwege in die Heide wo zwei lange Anstiege auf sandigem Untergrund samt enger Kurven warten bevor es wieder auf die Start/Zielgerade geht.

Puck Pieterse, Zonhoven

Puck Pieterse fuhr ein tolles Rennen und meistert die kniffelige Auffahrt durch die Heide als Erste

Rennverlauf

Wir erreichten Zonhoven beim Start des U23 Rennen der Junioren, die einen tollen Fight lieferten.
Spektakulär war im Anschluss das Eliterennen der Frauen. Denn schon bei der zweiten Abfahrt in die Kuhle stürzten die perfekt gestarteten drei Favoritinnen Puck Pieterse, Lucinda Brand und Ceylin Alvarado hintereinander in den Sand. Die Zuschauer, mittlerweile dürften es ca. 15 Tsd sein, waren geschockt und gaben viel Applaus als alle drei Fahrerinnen weiterfuhren. Das Rennen gewann letztendlich Ceylin. Puck musste ihr hohes Anfangstempo Tribut zollen, wurde dritte hinter Lucinda welche nicht ganz fehlerfrei fuhr und Zweite wurde.

Abfahrt in die Kuil

Abfahrt in die Kuil: U23 Junioren auf der Suche nach der richtigen Spur

Das Eliterennen der Männer war weniger spannend im Ergebnis ABER nicht weniger spektakulär. Mathieu van der Poel fuhr, durch einen guten Start schon als Führender in die Kuhle, wo er von den jubelnden Zuschauern wie in einer Arena empfangen wurde. Dahinter folgte der Crosseuropameister Toon Aerts, der belgische Meister Thibau Nys und Emiel Verstrynge. Tibor del Grosso, Niederländischer Crossmeister folgte dichtauf. Die Abfahrten in die Kuil sorgten, wie bei den vorherigen Rennen, für viele Stürze. Die FahrerInnen konnten jedoch immer weiter fahren und wurden von tosendem Applaus gepusht.

Thibau zeigt Nerven

Dem belgischen Radstar und Meister Thibau Nys flatterten schon bei der Einführungsrunde in die Kuhle die Nerven und er stürzte in den Sand. Vielen machte auch die teils vereisten Streckenabschnitte außerhalb der Kuhle zu schaffen. Thibau sei genannt der, Gott sei Dank ohne Verletzungen, bei einer Abfahrt in die Absperrungen rutschte und sich den Lenker halbierte. Er fuhr weiter aber hatte nun 3/4 der Strecke vor sich bis er das Rad wechseln konnte. So kam er als „Läufer“ in die Kuhle. Den belgischen Fans bescherte Thibau in der letzten Rennrunde dennoch einen großartigen Augenblick indem er, mit neuem Rad, als Einziger des gesamten Rennens die kniffelig enge sandige Ausfahrt aus der Kuhle ohne abzusteigen meisterte.

Der alte Meister ist auch der neue Meister

Das Rennen gewann erwartungsgemäß Mathieu van der Poel, der trotz zweier Platten!, ein fehlerfreies und sicheres Rennen fuhr vor Tibor del Grosso und Emiel Verstrynge. Thibau wurde trotz Defekt am Ende 19. Er wäre sicherlich unter die Top Fünf gefahren.
Begeistert und fasziniert vom Tag trafen wir uns nach dem Rennen an den Bullies wieder. Was hängen bleibt ist eine gehörige Portion Respekt für die Fahrerinnen und Fahrer ob dessen Radbeherrschung, Mut und Courage diesen Kurs zu bewältigen. Trotz der widrigen Umstände.

Lieben Dank an @ Malte Warnecke für die tollen Fotos